Es wird soviel über Liebe gesprochen... doch was ist das eigentlich, habe ich mich gefragt...


Nach langem Nachdenken fand ich eine Möglichkeit, mir dieses Ding, das Liebe heißt, vorzustellen...

Die Liebe ist etwas, das nicht einfach da ist, sondern mit der Zeit wächst und gedeiht, wenn die Lebensumstände passen. Deshalb kam ich zu dem Vergleich mit einer Pflanze. Nicht irgendeiner - nein - dem Vergleich mit einem großen, starken Baum... Warum, fragst Du Dich jetzt vielleicht! Ist ganz einfach zu erklären: Eine Liebe, die nicht so stark ist, wie ein großer, standhafter Baum, ist keine Liebe sondern sowas wie gernhaben, mögen, liebhaben, nett finden, etc...Warum also ein Baum, oder besser gesagt überhaupt eine Pflanze?

Stell Dir einen Gärtner vor, der findet ein Samenkorn. Dieses setzt er in die Erde und gießt es, damit eine Pflanze daraus werden kann. Er beobachtet, was aus diesem Samenkorn wird, hegt und pflegt den Sproß... was ja eine lange Zeit in Anspruch nimmt, bis ein Baum daraus wächst. Wenn er aber nun ständig in Sorge ist um seinen Sproß, ihn unter ein goldenes Glasdach stellt und ihm damit die Luft zum Atmen nimmt, muß er sich nicht wundern, wenn nach einer recht kurzen Zeit sein Pflänzchen eingegangen ist...

Was ich damit sagen will ist, daß die Liebe wachsen muß, Luft zum Atmen braucht, jeder braucht den Freiraum, sich selbst zu entfalten, SELBST zu sein und zu bleiben. Mit gegenseitigem Respekt und Vertrauen hat jeder diese Möglichkeit und kann die Kraft dafür aus der wachsenden Liebe schöpfen. Es reicht nicht, einem anderen Menschen zu sagen: "Ich liebe Dich!" ... Liebe ist etwas sehr ernstes, ein tiefes Gefühl im Herzen, das nichts mit Gedanken zu tun hat wie: dieser andere Mensch "gehört" jetzt mir. Im Gegenteil, ich sehe es so, daß ich diesem Menschen die Freiheit gebe, so zu sein, wie er wirklich ist, mit all seine Fehlern und kleineren Macken. Habe ich die nicht auch? Doch! Meiner Meinung nach sollten sich beide gegenseitig helfen, daß jeder er - oder sie - selber bleiben kann und auch wirklich bleibt. Klar, ich kenne auch diesen Spruch, daß sich alte Ehepaare im Lauf der vielen, gemeinsamen Jahre immer ähnlicher werden... doch denke ich, daß auch das ein Wachstumsprozess ist, aus gegenseitiger Liebe und Vertrauen entstanden.

© Anke

Oktober 1998